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Aktuelles über Zobel
Westerner Ring Of Amber To Dollardhoeve (Kennel "van de Dollardhoeve")
Zobelschimmel nun auch in Deutschland
Von Bianka Titus-Langer
(veröffentlicht in der Ausgabe 04/09 „Der Jagdspaniel“ - Stand August 2009; Copyright)
Zobelschimmel ist sicher eine außergewöhnliche, für viele faszinierende Farbe. In Schweden - ihrem „Mutterland“ - hat sie sich längst etabliert. Doch nun hält sie auch hierzulande Einzug. Im Spätsommer vergangenen Jahres wurden die ersten Englischen Cocker-Spaniels in der seltenen Farbe aus Schweden nach Deutschland importiert.
Es sind, soweit mir bekannt ist, vier Hündinnen - „Westerner Heart of Crystal“ (Zwinger „vom Eschenweg“, Eva Sommermann), „Westerner High On Life“ (Zwinger „Romero's“, Annette Römer) sowie „BoDollardhoeve“ und „Westerner Ring of Amber to Dollardhoeve“ (beide Zwinger „van de Dollardhoeve“, Ute Rötgers-Parchmann). Im November 2008 folgte der erste zobelschimmelfarbene Deckrüde „Bondmorans Fame Factory“ (ebenfalls Zwinger „van de Dollardhoeve“). An dieser Stelle ein Dankeschön an alle Züchter für die Unterstützung und das Bereitstellen der vielen Fotos.
Ein Blick auf die Ahnentafeln zeigt, dass alle diese Hunde auf die beiden ersten zobelschimmelfarbenen Hündinnen „Westerner Take A Raincheck“ oder „Westerner Chaising Rainbows“ zurückgehen.
Einfach nachzuzüchten
Mit einer Ausnahme: „Westerner Ring Of Amber To Dollardhoeve“ stammt aus der bunt-einfarbigen Verpaarung zwischen dem Orangeschimmel-Deckrüden „Bomway Over The Border“ und der schwarzen Hündin „Westerner Ring Of Sapphire“, die wiederum aus einer Verbindung zwischen blauschimmel und einfarbig zobel stammt. Diese einfarbige Zobelhündin, „Westerner Safir“, ist durch ihren Vater „Xamos Levana“ eine Halbschwester zu „Westerner Carol Of Bells“ - der Mutterhündin der beiden ersten Zobelschimmelhündinnen. Diese Ahnentafel belegt, dass es möglich ist, die Farbe Zobelschimmel recht einfach aus anderen Verbindungen nachzuzüchten. Zwei Punkte sind dabei wichtig: eine bunt-einfarbig Verpaarung und, dass das Zobelgen schließlich nochmals mit Orangeschimmel zusammentrifft.
Das Internet war in dieser Hinsicht wieder einmal hilfreich, um diese These zu belegen. „Marenhill's Iron Man“ ist ebenfalls nicht mit den ersten beiden Zobelschimmeln aus dem Zwinger Westerner verwandt. Seine Mutter „Marenhill's Cleopatra“ ist eine braun/weiße Hündin, die ausschließlich mehrfarbige Vorfahren hat - darunter nahezu alle herkömmlichen bunten Farbschläge, sowohl Schimmel als auch Plattenhunde. Iron Man's Vater ist „Cardamine The Sable King“, ein einfarbiger Zobel (Vater: „Navarro Sable King vom Eschenweg“, zobel - Mutter: „Cardamine Honeysuckle“, rot). „Cardamine Honeysuckle“ geht auf eine bunt-einfarbig Verpaarung zwischen einem Black-and-tan-Rüden und einer orange-weißen Hündin zurück. Das Zobel-Gen wurde wieder ausschließlich durch nur einen Hund eingebracht. Wichtig ist auch hier wieder das Zusammentreffen mit bunt und dem Orange-Faktor.
Ein zobelfarbener Plattenhund
Dabei ist „Marenhill's Iron Man“ jedoch kein Zobelschimmel, wie ich sie bisher gesehen habe, sondern ein wunderschöner Plattenhund - Grundfarbe weiß mit zobelfarbenen, klar abgegrenzten Platten und den für Zobel typischen hellen Maske im Gesicht.
Dieses Beispiel zeigt außerdem, dass hinsichtlich der Farbvariationen der bunten Zobel in Zukunft wohl noch einige Überraschungen zu erwarten sind. Inzwischen habe ich aus Schweden die ersten Fotos von Braunzobelschimmeln erhalten. Vielen Dank an dieser Stelle an Inger Ivarsson (Kennel „Westerner“) und Åsa Einarsson (Kennel „Bizzhaie“). Im Zwinger „Westerner“ steht der Braunzobelschimmel-Rüde „Diamonhill's Super Trouper“, im Zwinger „Bizzhaie“ der selbstgezogene „Bizzhaie Highland Oolong“. Die Farbe variiert bei beiden, „Super Trouper“ ist heller, während bei dem einige Monate jüngeren „Higland Oolong“ das Braunzobel im Moment viel dunkler erscheint. Wie die Hunde aussehen werden, wenn sie erwachsen sind, bleibt sicher spannend. Zobelschimmel machen, bis sie erwachsen sind, eine starke Farbveränderung durch.
Dunkle Welpen aus Orange x Orangezobel
Doch auch hinsichtlich der Vererbung gibt es bei den Zobelschimmeln Erkenntnisse, die für die künftige Zobelzucht hier in Deutschland wichtig sind. Schon im Oktober 2007 paarte Inger Ivarsson den Orangezobelschimmel „Strawberry Lines Bounty“ mit der Orangeschimmel-Hündin „Westerner Delight“. Es fielen vier dunkle zobelschimmel-farbene und vier orangezobelschimmel-farbene Welpen.
Das heißt also, dass nicht wie bei einer Orangeschimmel x Orangeschimmel-Paarung nur Orangeschimmel fallen können. Aus einer solchen Paarung Orangeschimmel x Orangezobelschimmel können sehr wohl auch dunkle Zobelschimmel-Welpen hervorgehen!
Orangezobelschimmel sind übrigens sehr schwer zu erkennen. Als ich bei Inger nochmals nachfragte, erklärte sie mir, dass sich die seltene Farbe auf Fotos kaum festhalten lasse. Auf einem Foto könne man Orangeschimmel und Orangezobelschimmel so gut wie gar nicht unterscheiden. In Natura sehe man aber sehr gut das dunkel eingesäumte Orange, fast wie ein Schatten sehe das bei einem Orangezobelschimmel aus.
Orangezobelschimmel-Welpen haben schon wenige Tage nach der Geburt dunkles Pigment an der Innenseite der Öhrchen, am Saum des Ohrlappens, und um die Geschlechtsteile.
Auf jeden Fall werden wohl auch hier in Deutschland hoffentlich bald die ersten Zobelschimmel ins Zuchtbuch eingetragen werden. Mit dem Import der ersten Zobelschimmel ist jedenfalls der Grundstein gelegt. Auch im Hinblick auf die Abhandlung „Rassehundezucht auf dem Prüfstand - Eine genealogische Bestandsaufnahme“ (Dr. Bernd Hackauf, Der Jagdspaniel 02/09) wäre es mehr als wünschenswert, wenn deutsche Züchter versuchen würden, die Farbe Zobelschimmel selbst nachzuzüchten - und zwar unabhängig von den schwedischen Linien.
Als ich den Artikel verfasst habe, fiel bereits der erste Wurf nach Bondmoran's Fame Factory mit einer Blauschimmelhündin. Es waren sieben Blauschimmel, leider kein einziger Zobelschimmel. Einige Züchter, die ihre Hündinnen von „Bondmoran's Fame Factory“ belegen ließen, warteten zum Redaktionsschluss noch auf ihre Würfe. (Nachträgliche Anmerkung: Ende Juni 2009 fiel im Zwinger "Of New Forest" ein Wurf aus der braunschimmelfarbenen Hündin "Ambaya of New Forest" und dem Zobelschimmelrüden "Bondmoran's Fame Factory" - darunter der erste in Deutschland geborene Zobelschimmel-Welpe "Elpaso of New Forest".)
„Pionier“ Dick Squier
Bei meinen Recherchen nahm ich mir unter anderem die Ahnentafel einer der beiden ersten einfarbigen zobelfarbenen Hündinnen, die 1986 nach Deutschland importiert wurden, zur Hand und machte dabei eine aufregende und zugleich phantastische Entdeckung. „Squier's Little Surprise's“ Mutter, die einfarbige Zobel-Hündin „Squier's Sage Lady“ stammte aus einer bunt-einfarbig Paarung. Vater war der orange/weiße Rüde „Squier's Fire n' Flash“, die Mutter die einfarbige Zobel-Hündin „Squier's Lil Cinnamon“.
Hatte etwa schon Richard (Dick) Squier in den späten 70er Jahren gezielt bunte Zobel gezüchtet?
Dick Squier ist leider im Februar 2008 in hohem Alter verstorben. Kate D. Romanski, Sectretary des English Cocker-Spaniel Club of America, erfahrene Züchterin (Kennel „Merrydown“) und eine enge Freundin Dick Squiers konnte mir diese Frage glücklicherweise beantworten. „Dick züchtete beides - einfarbige und bunte Englische Cocker und verpaarte oft bunt mit einfarbig“, bestätigte mir Kate Romanski. Dann folgt die entscheidende Aussage: „Ja, Dick züchtete einige weiß/zobel Welpen. Ich habe sie in seinem Zwinger selbst gesehen - sie sahen wirklich fantastisch aus. Es waren helle Plattenhunde, ganz anders als die Zobelschimmel aus Schweden.“
Kate Romanski stellte mir - es sei ihr an dieser Stelle besonders gedankt - noch weitere Ahnentafeln diverser „Squier's“-Cocker zur Verfügung. Sie alle belegen, dass Dick Squier wiederholt bunt mit einfarbig gepaart hat - vor allem zobel mit orange/weiß oder orangeschimmel. Cocker aus solchen Verbindungen verpaarte er wiederum mit bunt oder mit Hunden, die ebenfalls das Gen für bunt in ihrer Erbmasse trugen. Man darf also sicher davon ausgehen, dass Dick Squier schon Ende der 70er Jahre, Anfang der 80er Jahre bunte Zobel gezüchtet hat.
Leider gibt es keine Fotos von diesen Hunden. Dick Squier verkaufte sie wohl alle in Privathand, weil die zobelfarbenen Cocker zur damaligen Zeit in den USA mehr als verpönt waren. Kein anderer Züchter hätte einen zobelfarbenen Hund aus dem Kennel „Squier's“ als Deckrüden eingesetzt, geschweige denn sich einen zobelfarbenen Zuchthund in seinen Zwinger geholt. Dick Squier war in Sachen „Zobel“ ein Einzelkämpfer. Nur seiner Ausdauer und vor allem seinem Mut gegen den Trend zu schwimmen, ist es zu verdanken, dass es heute überhaupt noch die Farbe Zobel gibt. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.
In den Heften Nr. 5 und Nr. 6 "Der Jagdspaniel" werden weitere Artikel zur Herkunft und Historie der Zobelfarbe folgen.
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