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Zobel - Jetzt wird's bunt

Aktuelles über Zobel


Westerner Take A Raincheck,
Foto: Kennel Westerner; Marie Loré


Zobel – Jetzt wird’s bunt
„Sableroan“ - ein neuer Farbschlag aus Schweden

Von Bianka Titus-Langer
(veröffentlicht in der Ausgabe 03/08 „Der Jagdspaniel“ - Stand Mai 2008; Copyright)

Das Fell schimmert wie Perlmutt im Sonnenlicht – silbern, schillernd, seltsam. Kurzum: faszinierend. Dieser bunte Cocker auf dem Foto ist irgendwie anders als alle Bunten, die ich bisher gesehen habe. Ich bin überrascht. Es ist offensichtlich eine neue Farbe, die ich auf diesem Foto im Internet entdeckt habe. „Sableroan“ heißt sie. Das bedeutet übersetzt soviel wie Zobelschimmel. Neugierig geworden beschließe ich kurzerhand, der englischen Züchterin mit ihrem außergewöhnlichen Deckrüden eine Email zu schicken. Und damit beginnt für mich eine aufregende Entdeckungsreise via Internet.

Schaut man sich das Foto genau an, passt der Ausdruck „sableroan“ wie die Faust aufs Auge. Dieser Cocker ist tatsächlich ein Zobel, nur nicht einfarbig, sondern bunt! Und das ist für mich eine kleine Sensation – ein bunter Zobel!

Clare Nichols (Zwinger „Clashann“), auf deren Internetseite ich gelandet bin, besitzt wahrscheinlich den ersten Deckrüden in England in dieser seltenen Farbe. Sie hatte „Bondmorans Fly High over Clashann“ (genannt Dexter) im Dezember 2007 aus Schweden importiert. Vor wenigen Wochen fiel nun in ihrem Zwinger der erste sableroan Welpe Englands – ein kleiner Rüde. Sie hatte Dexter mit einer Blauschimmelhündin gepaart. Die anderen Welpen des Wurfes waren übrigens alle blauschimmelfarben.

Ein Blick auf die Ahnentafel ihres Deckrüden Dexter zeigt, dass die neue Farbe durch Paarungen zwischen einfarbig und mehrfarbig entstanden sein muss. Doch dazu später. Dexter’s Vater ist der orange-weiße Rüde „Cockados Sun Light“, seine Mutter die Zobelschimmel-Hündin „Westerner Aflame Colours“.

Urprung der Farbe Zobelschimmel

Und diese Ahnentafel ist es, die mir den entscheidenden Hinweis auf den Ursprung der Farbe gibt. Es ist der bekannte schwedische Zwinger „Westerner“, in dem offenbar die ersten Zobelschimmel gezüchtet wurden. Inger Ivarsson, die seit 1971 englische Cocker-Spaniel züchtet, hatte die geniale Idee, den neuen Farbschlag zu „kreieren“. „Mir gefallen eben die Bunten am besten“, gesteht sie mir in ihrer Mail. Deshalb habe sie „irgendwann darüber nachgedacht, zu versuchen, bunte Zobel zu züchten“.

Dieser Versuch sollte Früchte tragen! Zunächst ließ die schwedische Züchterin ihre Blauschimmel-Hündin „Westerner No Mercy“ von dem einfarbigen Zobelrüden „Xamos Levana“ decken. Aus dieser Paarung ging die schwarze Hündin „Westerner Carol of Bells“ hervor, die ja durch ihren Vater das Zobel-Gen in ihrer Erbmasse trug.

Diese Hündin paarte Inger Ivarsson mit dem Blauschimmel-Rüden „A One’s Aldebaran“. Ganz nebenbei sei erwähnt, dass dieser Rüde durch seine Mutter „Moonlight Mattie vom Rauhen Holz“ auf eine deutsche Linie zurückgeht.

Westerner Chasing Rainbows und Westerner Take A Raincheck

Am 8.4.2003 war es endlich soweit – ein „historisches Datum“ für die Cockerwelt! „Westerner Carol of Bells“ brachte sechs Welpen zur Welt – einen schwarzen Rüden, drei Blauschimmel-Hündinnen und die ersten beiden Hündinnen in der außergewöhnlichen Farbe Zobelschimmel. Inger Ivarsson taufte sie auf die Namen „Westerner Chasing Rainbows“ und „Westerner Take a Raincheck“. Die beiden sollten den Grundstein für eine neue Farbe legen.


Westerner Take A Raincheck; Foto: Kennel Westerner


„Beide Elternteile mussten das Gen für Orangeschimmel tragen, damit die Zobelschimmel fallen konnten“, erklärt Inger Ivarsson, wie ihr der züchterische Coup gelingen konnte. Und weiter erzählt sie: „Zuerst nannten wir die neue Farbe Blauschimmel-Zobel (blueroan sable). Doch irgendwann erkannten wir schnell, dass von Blauschimmel nicht die Rede sein konnte. Die Hunde mussten Orangeschimmel sein, mit so etwas wie zobelfarbenen Abzeichen.“ Inzwischen gibt es in Schweden schon einige Würfe, in denen Welpen in der seltenen Farbe gefallen sind. Aufgrund dieser Würfe und der praktischen Erfahrung weiß Inger Ivarsson inzwischen, dass sich die neue Farbe in genetischer Hinsicht wie orangeschimmel verhält. „Deckt man einen Orangeschimmel mit einem Zobelschimmel fallen nur Welpen in Orangeschimmel und Zobelschimmel“, erklärt die erfahrene Züchterin den Erbgang. Es sei genau das gleiche, wie wenn man einen einfarbigen Zobel mit einem roten Cocker paare. Auch dann erhalte man nur Welpen in diesen beiden Farben.

Allerdings sei für sie dennoch eines seltsam. Nicht alle Welpen aus einer Paarung mit einem Zobelschimmel als Elternteil würden die neue Farbe auch wieder weitervererben. Sie berichtet von einem Blauschimmel-Deckrüden (Eltern sind der Blauschimmel-Rüde „Westerner Hi-Flyer“ und die zobelschimmelfarbene Hündin „Westerner Take A Raincheck“), der die neue Farbe nicht weitervererbe. Inger Ivarsson: „Er hatte unter anderem wirklich viele Orangeschimmel-Hündinnen gedeckt, aber in all seinen Würfen war nie ein Zobelschimmel dabei.“

„Genau dasselbe mit seinem Wurfbruder. Auch er hatte viele Hündinnen aller Farbschläge gedeckt, doch nie fiel ein Welpe in zobelschimmel“, bedauert die Züchterin. Inzwischen gebe es weitere Farbschläge der bunten Zobel: Schwarz-Weiß-Zobel und Orangeschimmel-Zobel. Einer von ihnen ist der Deckrüde „Strawberry Lines Bounty“. Auch seinen Namen sollte man sich merken. Schließlich sorgte er vor kurzem für den ersten Zobelschimmel-Nachwuchs in Finland.

Züchterischer Meilenstein

Und noch eine weitere Quelle in Sachen Zobelschimmel ist im Internet zu finden: Sofie Jörgensen, die Züchterin des Zwingers „Blue Runes“ (www.vovvenviggo.se/blue_roan_sable.html) beschäftigt sich auf ihrer Homepage ausführlich mit der neuen Farbzüchtung. Wie sie schreibt sei der erste Orangeschimmel-Zobel wahrscheinlich vom Kennel Zeltzin gezüchtet und im November 2006 geboren worden. Als Deckrüden habe der Züchter einen Blauschimmel eingesetzt. Die Mutter wäre einfarbig zobel. Sie stamme aus einer Paarung zwischen einem zobelfarbenen Rüden und – so setzt sich ein züchterischer Meilenstein fort – einer der beiden ersten buntzobel Hündinnen aus dem Zwinger Westerner!

Vermutlich – so ist weiter nachzulesen – gebe es bislang nur zwei Braunschimmel-Zobel in Schweden. Einer sei aus einer Paarung zwischen einem braun-loh-farbenen Rüden und einer zobelfarbenen Hündin gefallen. Der andere Welpe stamme aus einer Verbindung zwischen einfarbig zobel und orangeschimmel. Die Elterntiere der Orangeschimmel-Hündin waren zobel und blauschimmel.

Einfarbig mal bunt

Natürlich bin ich kein Genetiker, aber eines ist klar: um diese seltenen Buntzobel zu züchten, musste man zunächst einfarbig-zobel mit bunt paaren, um sozusagen die Grundlage für eine Vermischung dieser beiden Farbschläge zu schaffen. Erst in der zweiten Generation können dann Zobelschimmel-Welpen fallen.

Wie mir Clare Nichols vom Zwinger Clashanns und Inger Ivarsson vom Zwinger Westerner übereinstimmend erklärten, spiele dabei Orangeschimmel eine wichtige Rolle. Damit ein Buntzobel entstehen könne, müsse er jeweils ein Gen für Zobel und eins für Orangeschimmel haben. So wie bei den einfarbigen Zobel das Gen für rot eine wichtige Rolle spiele.

Jedenfalls ist der Grundstein für mehrere neue Farbschläge beim englischen Cockerspaniel gelegt.

Etliche wunderschöne und interessante Fotos von Zobelschimmeln gibt es auf folgenden Internetseiten:

www.clashanncockers.homestead.com
www.westerner.se
www.kennel-evermore.com
www.bizzhaie.se

Anmerken möchte ich, dass mein Artikel über den Farbschlag zobelschimmel und dessen Variationen keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Danken möchte ich an dieser Stelle, den Züchterinnen Inger Ivarsson, Clare Nichols und Åsa Einarsson. Sie haben weder Zeit noch Mühen gescheut, mir in etlichen Mails meine schier endlosen Fragen zu beantworten. Ohne ihre Mithilfe hätte ich diesen Bericht nicht schreiben können.

Und ganz ehrlich – einem Erlebnis fiebere ich schon jetzt entgegen: Irgendwann hier in Deutschland einen Zobelschimmel mit eigenen Augen zu sehen!

Anmerkung: Im Spätsommer 2008 wurden die ersten vier zobelschimmelfarbenen Hündinnen aus Schweden nach Deutschland importiert. Wenig später holte Ute Rötgers-Parchmann Kennel "van de Dollardhoeve" den ersten Zobelschimmel-Zuchtrüden in ihren Zwinger.

Bei Ute durfte ich im August 2008 "Bo Dollardhoeve", die erste zobelfarbene Hündin, die sie aus Schweden importierte, bewundern. Liebe Ute, vielen Dank für die Gastfreundschaft.



Foto: Bianka Titus-Langer mit der ersten nach Deutschland importierten in Schweden gezogenen zobelschimmelfarbenen Cocker-Hündin "Bo Dollardhoeve" (Besitzer ist Kennel "Van de Dollardhoeve", Ute Rötgers-Parchmann)







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